Bedingungsloses Grundeinkommen - Simulation v02
Sonntag, Dezember 6th, 2009Worum es im Prinzip geht, hab ich hier beschrieben.
Dieses ist nun die zweite Version. Sie ist ähnlich einfach gehalten mit Adam und Eva. Aber es gibt bereits die ersten dynamischen Rückkopplungen. Auch sind schon die wichtigsten Variablen zu finden, wie Konsumsteuersatz, Produktivität, Arbeitsbereitschaft, Bruttoinlandsprodukt. Es geht rein um die Nahrungserzeugung für den täglichen Bedarf. Adam und Eva gehen täglich arbeiten (Arbeitsbereitschaft = 1) und erzeugen genau soviel Nahrung, wie jeder selbst benötigt (Produktivität = 1). Steuern fallen nicht an (Konsumsteuer = 0), denn sie erzeugen ja alles selbst für sich. Das ist die Ausgangssituation im Gleichgewicht, mit der man spielen kann. Wenn die erzeugte Nahrung nicht reicht (Produktivität zu gering), oder wenn die Nahrung nicht mehr bezahlt werden kann (Grundeinkommen zu klein), dann stirbt der Bürger. Gibt es keine Bürger mehr, so endet die Simulation.
Für den Simulationstakt ist 1 Tag festgelegt. Die wesentliche Simulationseinheit ist 1 Bürger. Deshalb sind alle Kenngrößen auf einen Bürger pro Tag bezogen. Es gelten folgende Vorgaben:
Wr = Resourcenstandardwert, der reine Wert, der zur Erzeugung erforderlich ist
Pr = Preis für eine Resource, also Resourcenstandardwert zuzüglich Steuern
p = Produktivität besagt, wieviel mehr oder weniger ein Bürger als für seinen Eigenbedarf produziert: 1 = nur Eigenbedarf, 2 = er kann einen zweiten Bürger ohne Arbeit mitversorgen
q = Konsumsteuersatz
BIPt = Bruttoinlandsprodukt pro Bürger und Tag
Im Gleichgewicht müssen die täglich erzeugten Resourcenwerte dem Bruttoinlandsprodukt entsprechen
p * Wr = BIPt
Ebenso müssen die an einem Tag bezahlten Preise dem Bruttoinlandsprodukt entsprechen
Pr = BIPt
Der Preis einer Resource ist der Resourcenstandardwert zuzügl. Konsumsteuer
Pr = Wr * (1 + q)
damit ergibt sich
p * Wr = Pr
p * Wr = Wr * (1 + q)
p = 1 + q
Also die Produktivität ist direkt proportional zum Konsumsteuersatz und nur ab einer Produktivität > 1 kann ich Steuern erheben. Sonst geht die Welt pleite. Wenig überraschend unter den angenommenen Bedingungen.
Entscheidungen für den Agenten “Menschen”
In der Aktivität arbeiten wird die Tagesproduktion (enthält die Produktivität) aufsummiert. Ist sie gross genug, dann wird eine Resource (hier Nahrungseinheit) erzeugt, Energie verbraucht und das Bruttoinlandsprodukt um den Erzeugniswert erhöht. Hinter den Pfeilen arbeitsbereit und nicht arbeitsbereit wird die vorhandene Energie und die Arbeitsbereitschaft geprüft und die entsprechende Aktivität ausgeführt. In der Freizeit passiert eigentlich gar nichts relevantes.
In der Aktivität konsumieren wird pro Tag eine Nahrungseinheit verzehrt. Dabei reduziert sich das Einkommen, das der Bürger monatlich überwiesen bekommt, um den Preis der Nahrungseinheit. Die im Preis enthaltene Konsumsteuer wird an das Bruttoinlandsprodukt abgeführt. Gibt es keine Nahrung mehr, d.h. alle Nahrungseinheiten sind verbraucht, oder das Einkommen ist kleiner als der Preis, so stirbt der Bürger.
Diese Aktivität konsumieren läuft als eigener Entscheidungsgraph, da der Bürger am Tag immer essen muss, egal ob er arbeitet, oder Freizeit hat.
Die Aktivitäten Emergency sind Basisaktivitäten der Simulationssoftware und haben hier keine Funktion.
Falls der interessierte Leser das Modell ausprobieren möchte, so möchte ich eine mögliche Erwartung dämpfen. Es handelt sich um einen eher wissenschaflichen Ansatz. Anschaulich visuelle Darstellungen sind kaum vorhanden (vielleicht komm ich da noch voran). Die Ergebnisse der Simulation sind in erster Linie den Werten der angezeigten Variablen zu entnehmen. Parametersammlungen können in einem nachbearbeitenden Schritt grafisch dargestellt werden.
Das Multi-Agent Simulation Environment gibt es hier.
Dies ist das Modell unsereSchöneNeueWelt_v02.zip
Es steht unter der Lizenz cc-by-sa
(Creative Commons, der Name des Autors muss genannt werden und das Werk muss nach Veränderungen unter der gleichen Lizenz weitergegeben werden).

