Bedingungsloses Grundeinkommen - Simulation v02

Worum es im Prinzip geht, hab ich hier beschrieben.

Dieses ist nun die zweite Version. Sie ist ähnlich einfach gehalten mit Adam und Eva. Aber es gibt bereits die ersten dynamischen Rückkopplungen. Auch sind schon die wichtigsten Variablen zu finden, wie Konsumsteuersatz, Produktivität, Arbeitsbereitschaft, Bruttoinlandsprodukt. Es geht rein um die Nahrungserzeugung für den täglichen Bedarf. Adam und Eva gehen täglich arbeiten (Arbeitsbereitschaft = 1) und erzeugen genau soviel Nahrung, wie jeder selbst benötigt (Produktivität = 1). Steuern fallen nicht an (Konsumsteuer = 0), denn sie erzeugen ja alles selbst für sich. Das ist die Ausgangssituation im Gleichgewicht, mit der man spielen kann. Wenn die erzeugte Nahrung nicht reicht (Produktivität zu gering), oder wenn die Nahrung nicht mehr bezahlt werden kann (Grundeinkommen zu klein), dann stirbt der Bürger. Gibt es keine Bürger mehr, so endet die Simulation.

Für den Simulationstakt ist 1 Tag festgelegt. Die wesentliche Simulationseinheit ist 1 Bürger. Deshalb sind alle Kenngrößen auf einen Bürger pro Tag bezogen. Es gelten folgende Vorgaben:

Wr = Resourcenstandardwert, der reine Wert, der zur Erzeugung erforderlich ist
Pr = Preis für eine Resource, also Resourcenstandardwert zuzüglich Steuern
p = Produktivität besagt, wieviel mehr oder weniger ein Bürger als für seinen Eigenbedarf produziert: 1 = nur Eigenbedarf, 2 = er kann einen zweiten Bürger ohne Arbeit mitversorgen
q = Konsumsteuersatz
BIPt = Bruttoinlandsprodukt pro Bürger und Tag

Im Gleichgewicht müssen die täglich erzeugten Resourcenwerte dem Bruttoinlandsprodukt entsprechen
p * Wr = BIPt

Ebenso müssen die an einem Tag bezahlten Preise dem Bruttoinlandsprodukt entsprechen
Pr = BIPt

Der Preis einer Resource ist der Resourcenstandardwert zuzügl. Konsumsteuer
Pr = Wr * (1 + q)

damit ergibt sich
p * Wr = Pr
p * Wr = Wr * (1 + q)
p = 1 + q

Also die Produktivität ist direkt proportional zum Konsumsteuersatz und nur ab einer Produktivität > 1 kann ich Steuern erheben. Sonst geht die Welt pleite. Wenig überraschend unter den angenommenen Bedingungen.

Entscheidungen für den Agenten “Menschen”

arbeitenarbeiten

In der Aktivität arbeiten wird die Tagesproduktion (enthält die Produktivität) aufsummiert. Ist sie gross genug, dann wird eine Resource (hier Nahrungseinheit) erzeugt, Energie verbraucht und das Bruttoinlandsprodukt um den Erzeugniswert erhöht. Hinter den Pfeilen arbeitsbereit und nicht arbeitsbereit wird die vorhandene Energie und die Arbeitsbereitschaft geprüft und die entsprechende Aktivität ausgeführt. In der Freizeit passiert eigentlich gar nichts relevantes.

konsumierenkonsumieren

In der Aktivität konsumieren wird pro Tag eine Nahrungseinheit verzehrt. Dabei reduziert sich das Einkommen, das der Bürger monatlich überwiesen bekommt, um den Preis der Nahrungseinheit. Die im Preis enthaltene Konsumsteuer wird an das Bruttoinlandsprodukt abgeführt. Gibt es keine Nahrung mehr, d.h. alle Nahrungseinheiten sind verbraucht, oder das Einkommen ist kleiner als der Preis, so stirbt der Bürger.

Diese Aktivität konsumieren läuft als eigener Entscheidungsgraph, da der Bürger am Tag immer essen muss, egal ob er arbeitet, oder Freizeit hat.

Die Aktivitäten Emergency sind Basisaktivitäten der Simulationssoftware und haben hier keine Funktion.

Falls der interessierte Leser das Modell ausprobieren möchte, so möchte ich eine mögliche Erwartung dämpfen. Es handelt sich um einen eher wissenschaflichen Ansatz. Anschaulich visuelle Darstellungen sind kaum vorhanden (vielleicht komm ich da  noch voran). Die Ergebnisse der Simulation sind in erster Linie den Werten der angezeigten Variablen zu entnehmen. Parametersammlungen können in einem nachbearbeitenden Schritt grafisch dargestellt werden.

Das Multi-Agent Simulation Environment gibt es hier.

Dies ist das Modell unsereSchöneNeueWelt_v02.zip
Es steht unter der Lizenz cc-by-sa
(Creative Commons, der Name des Autors muss genannt werden und das Werk muss nach Veränderungen unter der gleichen Lizenz weitergegeben werden).

4 Responses to “Bedingungsloses Grundeinkommen - Simulation v02”

  1. Matthias Dilthey Says:

    “Also die Produktivität ist direkt proportional zum Konsumsteuersatz und nur ab einer Produktivität > 1 kann ich Steuern erheben.” ist nur die halbe Wahrheit.

    Der “Konsumsteuersatz” würde sich proportional zur Produktivität verhalten, wenn denn die gesamte “Warenerzeugung” in den Konsum gelangen würde.
    Dem ist jedoch nicht so, denn auch Unternehmungen verkonsumieren, zahlen jedoch keine Konsumsteuer. Um beim Beispiel zu bleiben: Eine Unternehmung gibt Essen in der Kantine kostenlos an seine Mitarbeiter ab oder Nahrungsmittel werden als Energieträger (z.B. Bio-Diesel) oder Rohware (z.B. Dämmstoffe) eingesetzt.
    Zwar kann man argumentieren, dass diese so eingesetzten Nahrungsmittel letztendlich irgendwann auch zu Produkten führen, die verkonsumiert werden. Doch bleiben die Fragen offen, WANN und WO die Verkonsumierung erfolgt.
    Erfolgt der Konsum im Ausland, ist die Produktivität für die BGE-Finanzierung verloren.

    Daher wurde beim “Dilthey-Modell zur Ausgestaltung eines emanzipatorischen BGE” nicht die “Allphasen-NETTO-Umsatzsteuer” (=MwSt.) zur BGE-Finanzierung herangezogen, sondern bewusst die
    “Allphasen-BRUTTO-Umsatzsteuer”
    für die BGE-Finanzierung gewählt. Dann ist nämlich sichergestellt, dass das Steuer-Aufkommen proportional zur Produktivität verläuft.

    Matthias Dilthey
    Platenstraße 21
    91054 Erlangen
    Tel.: 09131/29889

  2. Ingo Says:

    Vielen Dank für die Anregungen. Das zeigt mir, dass ich nicht total daneben liege. Aber ich bin ja noch bei Adam und Eva. Es gibt bis jetzt keine Unternehmungen. Die Simulation ist schon ein Monster-Projekt. Ich werde versuchen, die Zusammenhänge mit Ausdehnung der Simulation zu berücksichtigen. Als nächstes (v03) werde ich mal mit einer Gemeinschaft von 100 Bürgern (Agenten) rechnen (im Moment sind es ja nur zwei).

  3. Bernd Brincken Says:

    Geile Sache, ich denke die Zahl der Agenten kann im Ergebnis keinen großen Unterschied machen; im Kern reichte erst einmal sogar einer. Über die Modellierung der Einflußgrößen müsste man dann einmal sprechen. Wie wäre es mal mit einem Treffen dazu, am Squadabend, oder auch gesondert?
    Für die politische Debatte wäre es klasse, wenn wir hier etwas zeigen könnten, das dann ja auch für Laien unmittelbar rüberkäme - viele schalten ja bei den Grundrechenarten schon ab …

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